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BäderExpress bleibt streckenweise ein Geisterzug - 1996
Aktion von Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen, Verkehrsclub Deutschland und BiVS

Der BäderExpress‘ fährt den größten Teil der Strecke von Marburg nach Bad Berleburg leer fahren: Der Bahnhof der Odbornstadt ist nicht unbedingt ein Schmuckstück. Niemand verweilt auf seinen Steigen länger als unbedingt nötig. Gestern um 7.29 Uhr war das anders: Der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen erwartete einen ganz besonderen Zug, den ersten nämlich, der von Bad Laasphe nach Bad Berleburg fuhr Grund genug für die Bahnfreunde, ihn ‚Bäderexpress‘ zu taufen und auf seiner ersten Reise zu begleiten – mit dem Auto allerdings.
Zugführer fährt bis Erndtebrück allein: Das hatte auch seinen Grund, denn der Bäderexpress hat seine Tücken. Weil es nämlich von der Lahn an die Odeborn gar keinen Schienenstrang gibt, muß er zunächst Erndtebrück ansteuern. Was aber noch viel schlimmer ist: Er startet in Marburg und darf bis in die Edergemeinde nicht bestiegen werden. Der Zweckverband Westfalen-Süd für den Schienenpersonennahverkehr hat die Fahrt nicht bestellt, also muß die Deutsche Bahn AG den Zug leer nach Erndtebrück bringen, um ihn dort bereitzustellen. Dieses Spiel wiederholt sich zur Rückreise nach Hessen gegen 14 Uhr ‚Ein Schildbürgerstreich‘, so Achim Walder in einer Pressemitteilung.
Bad Laasphe schickte den Beigeordneten: Der Kreuztaler Kreis- und Landesverbandsvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) war wie mehrere Vertreter des Schienenverkehr-Arbeitskreises extra nach Bad Berleburg gekommen, um den Express zu empfangen. Die Stadt Bad Laasphe die ihre Zugverbindung nach Wallau mit 55.000 DM jährlich unterstützt, wurde sogar von ihrem Technischen Beigeordneten Dr. Heinrich Loske vertreten.
Bahn würde gerne Reisende mitnehmen: Wir würden den Zug natürlich lieber mit Fahrgästen von Marburg nach Erndtbrück bringen, denn das wäre für uns billiger Aber der Zweckverband will das nicht, weil er dann die Kosten tragen mußte“, erläuterte Manfred Pietschmann, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG in Essen, auf Anfrage der Siegener Zeitung.
Der Zug kam im schmucken Graffiti-Design:
Der mit einigen Minuten Verspätung auf Gleis 3 einrollende Express war besonders fein herausgeputzt. Während er ein großes Namensschild des Arbeitskreises, das einige mitfahrende Schüler köstlich amüsierte, unmittelbar nach seiner Sekttaufe wieder einbußte wird er an dem todschicken silbernen Graffiti-Design, das ihm am Wochenende in Frankenberg zugefügt wurde, wohl noch zu tragen haben. Dessen größter Nachteil: Die Sprayer machten auch vor Rückspiegeln und Seitenscheiben des Zugführers nicht halt. ‚Die Bemalung ist ja eigentlich ganz schön‘, befand das Bad Laaspher Arbeitskreis-Vorstandsmitglied Otto Wunderlich, ‚aber für ihre Entfernung gibt die Deutsche Bahn jetzt wieder 150.000 DM aus.‘
Neues Kapitel der Eisenbahrigeschichte: Der Bad Berleburger stellv. Arbeitskreis-Vorsitzende Dr. Hartwig Bajer lobte den Bäderexpress als ’neues Kapitel der Wittgensteiner Eisenbahngeschichte‘. Wenn er auch durchgehend benutzt werden könnte, würden ‚vorzügliche Anbindungen an den Fernverkehr im Rhein-Main- und Rhein-Ruhr-Gebiet ermöglicht‘. Der Zug wäre dann ‚eine wertvolle Bereicherung für Bevölkerung, Tourismus und Bäderlandschaft‘. So sei es zum Beispiel vorstellbar, künftig Rehabilitationspatienten von den Marburger Universitätskliniken ’schneller, sicherer und kostengünstiger‘ nach Bad Berleburg zu bringen.
2,2 Mill. DM sind noch verfügbar: Der VCD griff in einer Pressemitteilung den heimischen Zweckverband für den Personennahverkehr auf der Schiene heftig an. Er habe zum Fahrplanwechsel keine zusätzlichen Reisemöglichkeiten bei der Deutschen Bahn AG bestellt. Überdies forderte der Verkehrsclub den Verband erneut auf, das Geld, daß er vom Land Nordrhein-Westfalen für die Ausgestaltung des Nahverkehres erhalten habe, auch fristgerecht zu verwenden. Zur Disposition stünden noch 2,2 Mill. DM.
Berleburg am Wochenende anbinden: Davon sollten 400.000 DM für Zugleistungen auf den Verbindungen von Dillenburg nach Siegen, von Betzdorf über Neunkirchen nach Haiger sowie von Wallau nach Bad Laasphe verwendet werden. Für weitere 400.000 DM könnten werktags sechs Züge zusätzlich und samstags und sonntags je zwölf Züge zwischen Erndtebrück und Bad Berleburg fahren. 200.000 DM sollten schließlich für zwölf Züge zwischen Erndtebrück und Bad Laasphe aufgewendet werden.
Behindertengerechte Wagen kaufen: Weitere Anliegen des VCD seien der Ausbau Erndtebrücks zur Drehscheibe des Öffentlichen Personennahverkehres in Wittgenstein die Anschaffung behindertengerechter Wagen und ein Ende des täglich voranschreitenden Gleisabbaus.


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