Im Auftrag der SPD-Wenden wurden der Öffentliche Personennahverkehr untersucht. Als mögliche Ergänzung des bestehenden ÖPNV wurde die Systeme AST und BürgerBus untersucht.
Die Gemeinde Wenden besteht aus 16 Ortschaften. Sie liegt im Süden des Sauerlands (Südwestfalen, NRW), südlich des Biggesees in einer Mittelgebirgslandschaft mit Höhenlagen zwischen 320 und 510 Metern.
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In kleineren Gemeinden wie Wenden haben sich in den letzten Jahren die Verkehrsprobleme dramatisch verschärft. Der Autoverkehr in der Gemeinde dominiert zunehmend, während die Mobilität für Nicht-AutonutzerInnen (ältere Menschen, besonders Frauen, Kinder und Jugendliche) eingeschränkt ist. |
Forderungen der Wendener Bevölkerung in Bürgerversammlungen und in den Medien nach einem besseren öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) veranlaßten den SPD-Ortsverein Wenden, diese Untersuchung beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Auftrag zu geben.
Rat und Gemeindeverwaltung in Wenden setzten sich in den letzten Jahren fast ausschließlich für Verbesserungen des motorisierten Individualverkehrs (MIV) ein. Es wurden zwar ein paar neue Buswartehallen und wenige Kilometer Radwege eingerichtet, Fehlplanung gab es aber dennoch genug. Eine Verbesserung der Infrastruktur für die Teilnehmer am Umweltverbund, Stadtpläne und gebrauchstüchtige Buswartehallen, wurden nur vereinzelt geplant und umgesetzt.
Die Lärm- und Abgasbelastungen durch den MIV sind in Wenden ständig gestiegen und beeinträchtigen die Lebensqualität in Wenden, Möllmicke und Gerlingen. Die Standortvorteile für den innerörtlichen Einzelhandel stehen auf dem Spiel.
Auf der Suche nach
Möglichkeiten, die Verkehrsprobleme in deutschen Städten zu
lösen und gleichzeitig deren urbane Qualitäten zu verbessern,
wird in den letzten Jahren zunehmend auf ein'differenziertes Angebot
im ÖPNV' gesetzt.
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Ziel dieser Untersuchung ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem heutigen ÖPNV-Angebot in der Gemeinde Wenden, der Qualität von Bus und Bahn sowie die Suche nach Möglichkeiten der Verbesserung dieses Angebots. Die Untersuchung richtet sich als Informations- und Entscheidungshilfe an Politiker und Verwaltung sowie an die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) und Westfalen-Bus GmbH (WB) als potentielle Anbieter, aber auch an Verkehrs- und Regionalplaner, die sich generell mit dem Thema ÖPNV befassen. Es werden Vorschläge für eine bessere Anbindung von Bus und Bahn erarbeitet, um die Akzeptanz für den ÖPNV zu verbessern. Bürger kritisieren, daß die Busse zu selten fahren, die Wohngebiete nicht erschlossen sind und eine Abstimmung mit der Bahn nicht vorhanden ist. |
Die Zentralisierung von Versorgungs- und Kommunikationseinrichtungen hat den Zwang zu großen Verkehrsleistungen steigen lassen. Menschen ohne Auto sind durch lange Fußwege vom öffentlichen Leben abgeschnitten und deshalb auf den ÖPNV angewiesen. Meist sehen die Verkehrsbetriebe ihre Grundlage unter betriebswirtschaftlichen Aspekten einer öffentlichen Verkehrsbedienung. Das 'öffentliche Verkehrsinteresse' (das laut PBefG von den Betreibern zu berücksichtigen ist) steht dabei im Hintergrund.
Für unterschiedliche Erfordernisse im ÖPNV kommen heute in vielen Regionen die 'Differenzierten Bedienungsformen' zur Anwendung.
Haltestellenerreichbarkeit
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Die Bestandsanalyse zeigte, daß einige Gemeindeteile nur unzureichend an den ÖPNV angebunden sind. Ohne eine ÖPNV-Verbindung sind ca. 30 % der Bevölkerung, besonders in den Ortsteilen Huppen, Büchen und Bebbingen. Sie müssen mehr als 300 m zur Haltestelle zurücklegen. 22 % der Wendener Bevölkerung hat einen Weg von unter 150 Metern bis zur nächsten Haltestelle. |
ÖPNV-Qualität
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Aus
den Werten für die Haltestellenerreichbarheit und dem Fahrplanangebot
wurde die ÖPNV-Qualität ermittelt. Der Wert 1,00 der ÖPNV-Qualität
wurde für eine Haltestellenentfernung von weniger als 150 Metern
und einen Stundentakt von morgens 5:00 bis 24:00 Uhr vergeben. Im Gemeindegebiet ist das Fahrplanangebot der Verkehrsbetriebe VWS und WB recht unterschiedlich. Auf den Hauptlinien, die als Regionalbuslinien anzusehen sind und Siegen/Kreuztal mit Olpe verbinden, ist die Fahrthäufigkeit an Wochentagen in der Schulzeit groß. Andere Linien fahren unregelmäßig und zum Teil sehr selten. |
Es wird zwischen Montag und Freitag an Schultagen insgesamt eine ÖPNV-Qualität von 0,16 bzw. 0,34 erreicht, wenn die Entfernungen von 150 m und 300 m zu Grunde gelegt werden. An Wochentagen in den Schulferien sinken die Werte auf 0,13 bzw. 0,28 ab. Am Wochenende ergeben sich noch weit schlechtere Werte. Besonders die Ortsteile Heid, Vahlberg, Löffelberg, Bebbingen, Huppen, Döingen, Büchen und Dörnscheid sind nicht, Elben, Schönau und Ottfingen nur sehr schlecht mit dem Bus zu erreichen. Diese hier aufgezählten Wohngebiete könnten mit einem AST oder BürgerBus an den ÖPNV angeschlossen werden.
Flächendeckendes AST-Angebot
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mögliche Anrufsammel-Taxi Verbindungen in der Gemeinde Wenden Es wurden zwei verschiedene Betreibermodelle untersucht. Es ergaben sich Betriebskosten für das AST im gesamten Gemeindegebiet Wenden in Höhe von 23.000 bis 36.000 DM. Für beide Modelle wurde an allen Tagen ein Stundentaktangebot von morgens 5:00 Uhr bis abends 24:00 Uhr zu Grunde gelegt. |
BürgerBus und BürgerBus-Verein
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mögliche BürgerBus-Linien Nach den Berechnungen könnte ein BürgerBus Wenden kostendeckend betrieben werden. Berücksichtigt wurden dabei eine zweimalige morgendliche Anbindung der Wohngebiete von montags bis freitags und zwei Nachmittagsfahrten am Donnerstag. Es würden im Jahr ca. 46.000 km mit dem BürgerBus-Fahrzeug zurückgelegt werden. Durch Werbeeinnahmen könnte eine Kostendeckung erreicht werden. Voraussetzung ist die Vereinsgründung BürgerBus-Wenden. Der BürgerBus hat allerdings ein deutlich niedrigeres Angebot und kann nicht die Mobilitätsbedürfnisse am Abend und von Jugendlichen befriedigen. |
Vorschlag
der Gutachter
Der VCD Kreisverband ist der Meinung, daß die AST-Betriebsführung
durch die Verkehrsbetriebe VWS durchgeführt werden sollte, damit
eine Anerkennung der ÖPNV-Regelfahrscheine mit einem Komfortzuschlag
verbunden werden könnte. Die Verkehrsbetriebe würden eine
jederzeit zu erreichende Mobilitätszentrale einrichten, um Fahrplanaus-künfte
und die AST-Bestellungen entgegenzunehmen.
Als weitere Möglichkeit schlägt der VCD den Einsatz von BürgerBussen
am Vor- und Nachmittag und ein Einsetzen des Anruf-Sammeltaxis nach
20:00 Uhr vor.
Der Gefahr, daß mit Anruf-Sammeltaxen der weitere Rückzug
vom gebundenen Linienverkehr vorangetrieben und es in wenigen Jahren
nur noch Taxi-Anmeldeverkehre, Kleinbusse mit flexibler Linienführung
und den Bürgerbus geben wird, ist durch eine gute Information der
Bevölkerung über das dreistufige Bedienungskonzept zu begegnen,
damit sie sich nicht vom ÖPNV abwenden. Dazu sind 'kompetente Mobilitätsberater'
bei den Verkehrsbetrieben einzustellen, die Auskünfte zum vorhandenen
ÖPNV-Angebot geben und die Anmeldungen für AST-Fahrten entgegennehmen
können.
Von dem vorgeschlagenen Gesamtkonzept 'Differenziertes Bedienungsmodell'
wurden meist nur Einzelkomponenten, wie Fahrplanverbesserungen und AST-Verkehre
in der Praxis erprobt. Für die Betrachtung des Gesamtkonzeptes
dürfen nicht nur Ergebnisse einzelner Komponenten herangezogen
werden, erst das 'Verkehrliche Gesamtkonzept' mit all seinen Auswirkungen
auf Tarif-, Netz- und Fahrplanangeboten ermöglicht objektive Bewertung
und führt zu einer wirklichen Verbesserung.
Es liegt nun in der Hand der kommunalen Entscheidungsträger, wie der ÖPNV in der Gemeinde Wenden besser gestaltet werden soll.
Inhaltverzeichnis (Übersicht)
Teil A:
Differenzierte Bedienungsformen im ÖPNV
Differenzierte Bedienungsformen im ÖPNV und rechtliche
Grundlagen: Das differenzierte Bedienungsmodell,
Verschiedene Nahverkehrssysteme, Schienengebundene Verkehrssysteme,
Nichtschienengebundene Verkehrssysteme, Einsatzformen von Taxen im ÖPNV,
AST = Anrufsammel-Taxi:
Datenerhebung: Gemeinde Wenden